Freiwillig ökologisch

In der Frühjahrs-Ausgabe der IKK spleens berichten wir über das Freiwillige Soziale Jahr. Marco Lutz, 19 Jahre, aus Baden-Württemberg, erzählt hier exklusiv für spleens.de von einer anderen interessanten Möglichkeit, ein Jahr lang seine Arbeitskraft in den Dienst einer guten Sache zu stellen. Er erlebt derzeit ein Freiwilliges Ökologisches Jahr auf der Schwäbischen Alb.

Du machst zurzeit ein Freiwilliges Ökologisches Jahr?

Ja, ich bin seit 1. September 2008 am Naturschutzzentrum Schopflocher Alb im Dienst. Mit einer Kollegin zusammen bin ich für die Umweltbildung von Kindern zuständig.

Kannst du ein bisschen genauer beschreiben, was ihr da macht?

Wir bieten zur jeweiligen Jahreszeit passende Führungen in den zwei Naturschutzgebieten in der Nähe an, dem Randecker Maar und dem Schopflocher Moor. Oft nehmen Schulklassen teil, die in der Nähe im Schullandheim zu Gast sind. Im Schopflocher Moor gibt es zum Beispiel einen künstlich angelegten Tümpel, in dem die Kinder käschern können. Und sie erfahren dabei etwas über das Leben im Gewässer. Das macht den Kindern Spaß – und uns auch.

Darüber hinaus bieten wir auch Kindernachmittage bei uns im Haus an, wo beispielsweise Vogelnistkästen gebaut werden, die Kinder also spielerisch und selbst aktiv etwas über ein Thema in der Natur erfahren.

Hast du in der Zeit, die du jetzt dort arbeitest, schon etwas Besonderes erlebt?

Ein Erlebnis waren im Januar zwei Tage, an denen wir auf der Touristikmesse in Stuttgart gearbeitet haben und das Naturschutzzentrum und die Schwäbische Alb als touristische Ziele präsentiert haben.

Was auch ganz interessant ist: Die FÖJler haben über das Jahr hinweg die Möglichkeit, ein eigenes Projekt zu gestalten. In meinem Fall „Tiere im Moor“. Dabei beobachte ich im Jahresverlauf, welche Tiere im Schopflocher Moor zu finden sind und konzipiere daraus einen Kindernachmittag für den Sommer, bei dem die Kinder dann selbst Tiere beobachten können.

Wie bist du darauf gekommen, dich für das FÖJ zu bewerben?

Ich hab mich immer schon für den Naturschutz interessiert und in einer kleinen Gruppe an der Schule engagiert. Von dem FÖJ habe ich aber nur durch Zufall erfahren. In der 12. Klasse hat ein Referent vom Arbeitsamt das FÖJ in einem Nebensatz erwähnt… Anfang 2008, bevor ich dann im Sommer Abi gemacht habe, habe ich mich dann beworben. Auch, weil ich noch nicht ganz sicher war, was ich beruflich machen wollte.

Wie läuft denn die Bewerbung ab?

Man bewirbt sich – am besten möglichst früh - je nach Bundesland bei den Trägern des FÖJ. In Baden-Württemberg gibt es davon zwei. Ich habe mich online an die Landeszentrale für politische Bildung gewandt. In der Bewerbung konnte man drei mögliche Einsatzstellen angeben, für die man sich interessiert. Bewerben kann sich übrigens jeder, der einen Schulabschluss hat.

Bekommt man denn auch was für den freiwilligen Dienst?

Die Wohnung wird hier am Naturschutzzentrum gestellt, was mir sehr wichtig war. Außerdem gibt es ein monatliches Taschengeld und Verpflegungsgeld von jeweils 180 Euro. Man ist also für das eine Jahr ganz gut versorgt. Das Kindergeld wird übrigens auch weitergezahlt.

Und wie ist Arbeitsklima?

Wir beiden FÖJler sind absolut integriert. Am Anfang haben wir gesagt bekommen, dass die Arbeit ohne uns gar nicht möglich wäre, und das hat uns bereits sehr motiviert.

Wie fällt denn insgesamt deine Bilanz nach den ersten Monaten aus?

Ich bin begeistert! Und ich kann das FÖJ wirklich jedem empfehlen, der ein gewisses Interesse an der Umweit hat. Man muss auch nicht unbedingt jeden Tag draußen sein. Es gibt beispielsweise auch Umweltbüros in größeren Städten. Ich finde, dass das FÖJ – auch im Vergleich zum Freiwilligen Sozialen Jahr - viel zu wenig bekannt ist, obwohl es rechtlich die gleiche Bedeutung hat.

Weißt du jetzt schon, wie es für dich beruflich nach dem FÖJ weiter geht?

Mittlerweile habe ich mich entschieden, einen Beruf zu ergreifen, der was mit Umwelt zu tun hat: Ich  möchte eine Ausbildung zum umwelttechnischen Assistent machen.

Das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) ist ein Bildungs- und Orientierungsjahr für Jugendliche im Alter von 16 bis 27 Jahren und dauert in der Regel auch genau zwölf Monate. Es beginnt am 1. September und endet am 31. August des Folgejahres. Das FÖJ kann bei der Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) als Wartesemester angerechnet werden; einzelne Stellen können als Ersatz für den Zivildienst geltend gemacht werden.

Weitere Infos im Netz:

Offizielle Internetpräsenz des FÖJ

Naturschutzzentrum Schopflocher Alb