Hochbegabung

Wer bei den Matheaufgaben über komplizierten Formeln brütet oder sich in Sprachen mühsam schwierige Grammatik erarbeitet, wünscht sich oftmals mehr Talent. Hochbegabte scheinen hier klar im Vorteil zu sein. Doch was heißt es eigentlich genau, hochbegabt zu sein? Und ist es wirklich immer ein Vorteil?

Was ist eine Hochbegabung?

Wer nun bei Hochbegabten an bebrillte Streber denkt, die im Unterricht immer in der ersten Reihe sitzen und ihre Freizeit hauptsächlich mit Auswendiglernen verbringen, der irrt. Eine Hochbegabung hat man oder hat man nicht. Sie ist weder erblich noch hat sie etwas mit Fleiß oder Strebertum zu tun. Zum Beispiel Tim (11): Er hört gerne Musik, spielt Schlagzeug, tanzt gerne und mag Volleyball. Der Unterschied zu anderen: Tim kann schwierige mathematische Zusammenhänge überdurchschnittlich schnell erkennen, ist besonders kreativ, sehr wissensdurstig und hinterfragt fast alles kritischer als die meisten anderen Schüler in seinem Alter. Wie Tim ergeht es allein in Deutschland mehr als 1,5 Millionen Kindern und Jugendlichen, d. h. zwei von hundert Schülern sind hochbegabt. Tims Eltern sind stolz auf ihren Sohn. Und auch seine Freunde unterstützen ihn. "Sie freuen sich für mich und sagen mir oft, dass ich etwas Besonderes bin", sagt Tim. "Aber ich selbst finde das alles ganz normal. Ich lerne eben einfach gerne."

Die Schattenseiten

Das Leben als kleines "Genie" ist aber nicht immer ein Zuckerschlecken. Hochbegabte begreifen und verarbeiten sehr schnell, was sie aufnehmen, oft sind sie dabei anderen gegenüber sehr ungeduldig. Mit den meist langsameren Mitschülern innerhalb der Klasse kommt es deshalb häufig zu Konflikten. "Die meisten Mitschüler sind wirklich nett zu mir", erklärt Tim. "Aber trotzdem bin ich in der Schule eher ein Außenseiter. Manchmal habe ich das Gefühl, dass einige von ihnen mich einfach nicht verstehen. Die halten mich wahrscheinlich für arrogant oder rechthaberisch - oder einfach nur für verrückt."

Sind alle Hochbegabten gut in der Schule?

So seltsam es klingt: Oft erkennt man einen Hochbegabten nur daran, dass er den Unterricht stört, seine Hausaufgaben nicht macht und sich mit den Lehrern anlegt. Denn viele Hochbegabte sind im Unterricht unterfordert und zeigen dies durch eine Null-Bock-Haltung. Manche denken sogar, sie seien dumm und trauen sich die einfachsten Aufgaben nicht mehr zu. Aber Achtung: Natürlich ist nicht jeder Störenfried gleich ein Genie. Überforderte Schüler zeigen dieselben Verhaltensweisen. Für Lehrer ist der Unterschied oft nicht ersichtlich. Deshalb verlassen viele Hochbegabte - man geht von 15 Prozent aus - als Schulversager die Schule. Letztendlich können nur Allgemeinbildungs- und Intelligenztests endgütig aufklären, ob jemand hochbegabt ist.

Spezielle Förderprogramme

Ob jemand mit seiner Hochbegabung glücklich wird oder nicht, hängt davon ab, ob sein Talent rechtzeitig erkannt und gefördert wird. Umso wichtiger ist es, dass Hochbegabte einen speziellen Unterricht geboten bekommen. Tim hat Glück gehabt. Schon in der Grundschule fiel seine mathematische Begabung auf und wurde entsprechend gefördert. Seine Eltern haben sich dann um einen Platz an einer weiterführenden Schule mit einem Förderprogramm für Hochbegabte gekümmert. "Ich besuche viele Extra-Kurse am Nachmittag. Das macht mir immer am meisten Spaß. Schließlich muss ich mich da mehr anstrengen als im normalen Unterricht", sagt Tim.

Wie können Hochbegabte erkannt und gefördert werden?

Wer sich in der Schule unterfordert fühlt sollte Kontakt zur Schulleitung aufnehmen und sich gemeinsam mit den Eltern über Fördermöglichkeiten beraten lassen. Leider haben nicht viele Schulen ein spezielles Programm für Hochbegabte, manchmal ist sogar der Umzug in ein spezielles Internat notwendig. An allen Begabtenschulen werden intensive Aufnahmetests durchgeführt. Die Begabung wird mit Allgemeinbildungs- und Intelligenztests überprüft. In der Regel werden die Ergebnisse von der Schulleitung gemeinsam mit einem Expertenteam aus Psychologen ausgewertet. So ein aufwändiges Auswahlverfahren ist notwendig, um die vielen verschiedenen Typen von Hochbegabten heraus zu filtern. Nicht auf Anhieb erkennt man immer, welche Talente in einem Mädchen oder Jungen stecken.

Hier gibt´s weitere Infos im Web:

www.dghk.de

www.hbf-ev.de