Allein im Ausland: Eine Erfahrung fürs Leben

Ganz allein in einem fremden Land! Die Auszubildende Cassandra hat sich getraut und ist für einen Monat nach Südfrankreich gefahren. Nicht um am Strand in der Sonne zu liegen, sondern um zu arbeiten. Die Erfahrungen, die sie dort gesammelt hat, wird sie niemals vergessen. Warum? Lies selbst!

Neugier war größer als die Angst

"Als ich von der Möglichkeit gehört habe, im Ausland zu arbeiten, war ich gleich Feuer und Flamme", berichtet Cassandra begeistert. Die 22-Jährige macht eine Ausbildung zur Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin und war einen Monat lang in einem privaten Krankenhaus im französischen Marseille tätig. Ein großer Schritt für die junge Frau,vor dem ihr ein wenig bange war. Trotzdem war ihre Neugier größer als jede Angst. "Ich habe diese Möglichkeit als Herausforderung gesehen und ich liebe Herausforderungen", erzählt Cassandra lachend. Sie hat ihre Entscheidung nicht eine Minute lang bereut.

Ausland: Ja? Nein? Vielleicht?

Seit zirka sieben Jahren können Auszubildende bis zu 25 Prozent ihrer Lehrzeit im Ausland verbringen - das ist sogar gesetzlich festgelegt. Doch während ein Auslandssemester unter Studenten fast schon zur Normalität gehört, wird das von Lehrlingen noch immer viel zu selten genutzt. Trotzdem steigt die Tendenz, sich in einem fremden Land zu beweisen, seit ein paar Jahren merklich an. Dazu tragen nicht zuletzt Organisationen wie "Arbeit und Leben" bei, die die Auszubildenden darüber informieren. Auch Cassandra ist durch einen Vortrag aufmerksam geworden. "Die Vorstellung, ganz allein nach Frankreich zu gehen und dort zu arbeiten, war sehr aufregend", berichtet sie. Und sie hat sich viel davon versprochen. "Auffrischung der Sprachkenntnisse, wichtige berufliche und persönliche Erfahrungen." Bis dahin kannte sie niemanden, der im Ausland gearbeitet hatte. Das änderte sich erst kurz vor ihrer Reise. "Ein Lehrling hat mich mit vielen nützlichen Infos versorgt", erinnert sie sich.

"Das war eine einmalige Chance"

Unterstützt werden die Lehrlinge vom "Leonardo da Vinci"- Programm. Das ist ein Projekt der Europäischen Kommission, das junge Menschen fördert, den europäischen Gedanken hautnah zu erleben. Außerdem sollen Vorurteile abgebaut, Wissen erworben und ungewohnte Arbeitsweisen angeeignet werden. Und tatsächlich ist der Nutzen, den sie im Ausland haben, enorm. Sie bekommen einen Einblick in ganz andere Arbeitsabläufe, lernen Neues dazu. Im Fall von Cassandra war das ein ganz neuer Bereich in der Privatklinik. "Ich habe in der Kardiologischen Station gearbeitet und die hätte ich wohl normalerweise im Krankenhaus in Hamburg nicht gesehen. Das war eine einmalige Chance", erklärt sie. Ihr Aufgabenbereich hat sich von Tag zu Tag erweitert. Hat Cassandra zunächst Temperatur, Blutdruck, Puls und Blutzucker gemessen, so durfte sie sich schon bald um Patienten kümmern, Medikamente verteilen oder auch Infusionen vorbereiten und anhängen. Auch ihre französischen Sprachkenntnisse haben sich durch den Aufenthalt in Frankreich enorm verbessert. "Ich hatte zwar immer mein Sprachbüchlein dabei, aber habe erstaunlich selten davon Gebrauch gemacht", freut sie sich.

Unterstützung vom Leonardo-Programm

Für einen Monat in der südfranzösischen Hafenstadt hat Cassandra 500 Euro investiert: für Flug, Verpflegung und Freizeit. Alles andere wurde vom Leonardo-Programm bezahlt. Und es hat sich gelohnt! Obwohl es der selbstbewussten Cassandra kurz vor dem Flug etwas mulmig wurde. "Allerdings lag das nicht so sehr an der Aufregung vor dem Auslandsaufenthalt, sondern weil ich so große Flugangst hatte", fügt sie schmunzelnd hinzu.

Die Zeit in Marseille ist Gold wert

"Diese Erfahrung ist nicht mit Gold aufzuwiegen. Ich habe diese Zeit sehr genossen und viele Situationen gemeistert, in denen ich über mich selbst hinausgewachsen bin." Allein in einem fremden Land, ohne die Hilfe von Eltern oder Freunden - das war eine große Herausforderung. Deshalb spricht sie in Präsentationen vor anderen Auszubildenden über ihre Erlebnisse. Damit auch sie sich trauen, diesen Schritt zu wagen. Am Ende ihres Aufenthalts war Cassandra zwar überglücklich, wieder zurück nach Hause fahren zu können. Es hat ihr trotzdem so gut gefallen, dass sie sich vorstellen kann, noch einmal im Ausland zu arbeiten.