„Was macht eigentlich ein Fluglotse?“

Konzentration und schnelle Reaktionsfähigkeit sind in diesem Beruf alles! Jenny macht eine Ausbildung zur Fluglotsin – für die 24-Jährige ein absoluter Traumberuf! Der IKK spleens erklärt sie, was sie an diesem Job fasziniert.

Der Pilot an Bord einer Maschine hat einen Herzinfarkt. Der Flieger muss umgehend landen. Ein Notfall, der mit einem Schlag alle Pläne zunichtemacht. Jenny muss blitzschnell reagieren, alle anderen Flugzeuge so umleiten, dass die betroffene Maschine sofort landen kann. Keine einfache Aufgabe, wenn man bedenkt, welch hoher Verkehr auf der Luftautobahn herrscht. Doch das ist es, was den Job des Fluglotsen ausmacht. „Es reicht nicht aus, einen Plan A und Plan B zu haben. Man braucht auch einen Plan C“, weiß Jenny. Hochkonzentriert sorgt sie dafür, dass das Flugzeug landen kann. Zum Glück war das nur ein Test. Denn die 24-Jährige absolviert zurzeit eine Ausbildung zur Fluglotsin bei der Deutschen Flugsicherung in Langen, bei Frankfurt am Main. Dazu gehört, dass verschiedenste Situationen trainiert werden, um die angehenden Fluglotsen für ihre zukünftigen Aufgaben fit zu machen.

Ein Ausbilder ist immer dabei

Knapp drei Jahre dauert die Ausbildung. „Davon verbringen die Auszubildenden 16 Monate an der Akademie in Langen, wo die theoretische Ausbildung stattfindet“, erläutert Jenny. Später werden die angehenden Fluglotsen in eine der vielen deutschlandweiten Niederlassungen versetzt. Hier lernen sie im laufenden Betrieb. Natürlich immer unter dem wachsamen Blick eines Ausbilders, der jeden Schritt genau verfolgt. Bei Problemen greift dieser sofort ein, schließlich kann ein Fehler viele Menschenleben kosten. Drei Millionen Starts, Landungen und Flüge jährlich „Jedem Fluglotsen ist ein bestimmter Sektor zugewiesen. Er muss dafür sorgen, dass in diesem Bereich der Flugverkehr reibungslos abläuft“, erklärt Jenny anhand einer Karte. Bedenkt man, dass es in Deutschland jedes Jahr ungefähr drei Millionen Starts, Landungen und Überflüge gibt, haben Fluglotsen alle Hände voll zu tun, damit es nicht zu gefährlichen Unfällen kommt. Sieht er zum Beispiel zwei Flugzeuge auf dem Radar, die in gleicher Höhe aufeinander zusteuern, muss er sofort reagieren und die lebensgefährliche Situation entschärfen. Ein Job mit viel Verantwortung.

Alle Infos auf einen Blick

Mehrere Monitore, ein Telefon und ein Headset – mehr braucht Jenny für ihre Arbeit nicht. „Na und die Kontrollstreifen“, ergänzt sie noch schnell. „Die sind sehr wichtig. Sie enthalten Informationen wie Flugnummer oder Flughöhe.“ Vor dem Start muss jeder Pilot seinen Flugplan durchgeben. Sobald die Maschine startet, aktiviert der Lotse im Tower diesen Flugplan im System. Dann erhält jeder, der von diesem Flug betroffen ist, 20 Minuten bevor die Maschine den Sektor erreicht, diesen Kontrollstreifen. Damit können die Lotsen einschätzen, was auf sie zukommt. Jenny lernt am Simulator Angst vor der Verantwortung hat Jenny nicht. „Natürlich ist mir klar, dass von meinen Entscheidungen Menschenleben abhängen, aber ich darf mich nicht darauf versteifen. Sonst macht man erst recht Fehler“, erklärt sie. Ihre Entscheidungen muss sie blitzschnell treffen. Zeit, um lange abzuwägen, bleibt meist nicht. Deshalb sind Routine und schnelle Reaktionsfähigkeit sehr wichtig. Die erlangen die Azubis an den Simulatoren. Das sind originalgetreu nachgebaute Arbeitsplätze, an denen verschiedene Situationen trainiert werden. In einem anderen Raum sitzen die „Piloten“. Sie geben – wie im richtigen Leben – ihre jeweilige Position in englischer Sprache durch und tippen diese in den Computer ein. So erhält der Lotse ein neues Radarbild, mit dem er arbeiten und das er später an den nächsten Mitarbeiter weitergeben kann. Um es wirklich realistisch zu machen, haben auch diese Piloten verschiedene Dialekte oder Akzente. „Es hört sich natürlich ganz anders an, wenn ein Franzose, ein Engländer oder ein Deutscher englisch sprechen“, erklärt Jenny. „Um sich daran zu gewöhnen, wird das deshalb schon in der Ausbildung trainiert.“

Die Bewerbung ist nicht ohne

Für Jenny stand schon immer fest, dass sie in Zukunft in der Luftfahrt arbeiten wollte. „Ich bin in der Nähe vom Münchener Flughafen aufgewachsen und war von Flugzeugen fasziniert“, erinnert sie sich. Doch die Anforderungen an einen Fluglotsen sind nicht zu unterschätzen. Gute Englischkenntnisse, 100-prozentige Seh- und Hörfähigkeit und die Fähigkeit, sich auf mehrere Dinge gleichzeitig konzentrieren zu können, sind Voraussetzung. Entsprechend schwierig ist es, einen Ausbildungsplatz zu ergattern. Auch Jenny hat ihre Erwartungen zunächst nicht besonders hoch geschraubt. „Obwohl ich wirklich gehofft habe, es zu schaffen.“

Die letzte Hürde war gemeistert

„Insgesamt hat der Bewerbungsprozess sechs Monate lang gedauert“, erinnert sich die junge Frau. Zunächst müssen rund 100 Fragen zum Werdegang und den persönlichen Eigenschaften des Bewerbers beantwortet werden. Anschließend werden die jungen Leute, die zum Zeitpunkt der Bewerbung nicht älter als 24 Jahre sein dürfen, zu weiteren Tests und Gesprächen eingeladen. Jenny hatte Glück: Wenige Wochen später flatterte eine weitere Einladung ins Haus. Wieder ein Besuch in Hamburg und auch dieses Mal konnte sie überzeugen. Als ihr der Arzt eine einwandfreie Seh- und Hörfähigkeit bescheinigte, war die letzte Hürde geschafft. Jenny fiel ein Stein vom Herzen. „Und meine Eltern waren richtig stolz auf mich.“

Gute Jobaussichten

Jenny freut sich auf ihren abwechslungsreichen Job. Und die Aussichten sind sehr gut – immerhin werden alle Auszubildenden anschließend übernommen und können mit einem sehr guten Gehalt rechnen. „Vor allem gefällt mir aber, dass in diesem Beruf nicht jeder Tag dem anderen gleicht“, freut sich Jenny. „Für mich ist damit ein großer Traum in Erfüllung gegangen.“

Ausbildungsinfo

Dauer:

Towerlotse: 21 – 28 Monate

Centerlotse: 28 – 33 Monate

Monatsgehalt:

Grundausbildung bei der Deutschen Flugsicherung: 875 Euro

Einarbeitungsphase an einer Niederlassung: 3.500 – 4.800 Euro

Durchschnittsgehalt:

6.000 – 8.000 Euro brutto

Arbeitszeit:

Unregelmäßige Arbeitszeiten

(Schichtdienst)