Traumjob gefunden: Pyrotechniker

Marius ist ein professioneller Effekthascher: Der 21-Jährige hantiert hauptberuflich mit Flammenwerfern und Konfettikanonen. Und hat damit sogar schon einen echten Scheich beeindruckt.

Soeben hat der Comedian den letzten Gag des Abends gerissen. Lacher und Applaus im Berliner Olympiastadion. Und dann tränkt ein gewaltiges Feuerwerk den Himmel über Berlin in grellste Farben. Die Raketen zünden genau vor Marius' Augen. Der 21-Jährige hat Brandwache, steht mit einem Feuerlöscher auf dem Stadiondach. Das war im Juli 2011.

Spezialisten für Spezialeffekte

Seitdem ist Marius stets zur Stelle, wenn es kracht und knallt. Er ist dafür sogar mitverantwortlich. Sein Arbeitgeber ist die Firma LunatX aus Düsseldorf. Die Rheinländer zaubern Nebel und Flammen, Wasser- und Lasereffekte auf die Bühnen dieser Welt. Wenn bei DSDS Funkenregen hinterm Staffelsieger niedergeht, wenn Goldflitter durch die Arena der TV Total Stock Car Challenge weht, wenn der Deutsche Fußball-Champ die Meisterschale vor kunterbuntem Konfettigewirbel in die Höhe reckt, dann steckt in der Regel LunatX dahinter.

Hier absolviert Marius eine Ausbildung zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik. "Dass es viel Lagerarbeit gibt", habe ihn besonders überrascht nach Beginn seiner Ausbildung. Am Firmensitz sortiert Marius Material, schraubt und bastelt. Im Jahr 2014 hat er voraussichtlich ausgelernt. Dann wird er sich wohl gleichzeitig auch Pyrotechniker nennen dürfen. Dafür benötigt er noch mehr Erfahrung und vor allem einen Befähigungsschein, den er unbedingt dieses Jahr in einem einwöchigen Lehrgang ergattern will. Zum Pyrotechniker wird man also nicht aus-, sondern weitergebildet.

"Es ist nicht immer das Gleiche", beschreibt Marius seinen Beruf. Jeder Effekt ist anders, jeder Einsatz eine neue Herausforderung. Und fast jedes Wochenende verplant. "Man muss viel Zeit mitbringen", so Marius, der zuvor sein Abitur gemacht und Zivildienst im Krankenhaus geleistet hatte. Bis im Vorfeld einer Show die Effekte ausgeladen, aufgebaut und richtig verkabelt sind, vergehen meist mehrere Tage.

Brennend durch die Schweiz

So wie im Februar in Kuwait, als Marius und Kollegen 180 Abschussvorrichtungen an der Fassade eines Wolkenkratzers befestigten. Der Emir von Kuwait, Scheich Sabah Al-Ahmad Al-Jaber Al-Sabah, staunte nicht schlecht über die farbenfrohe Pyrotechnik aus Düsseldorf, die sich plötzlich vor seinen Augen entfaltete.

"Man sieht wenigstens ein bisschen was von der Welt", sagt Marius und untertreibt damit. Auch in Aserbaidschan war er schon, beim Eurovision Song Contest. Und bei einer Stuntshow in der Schweiz. Marius' Aufgabe war es, den Stuntman zu entzünden, damit dieser brennend durch die Menge laufen konnte. "Das war auf jeden Fall auch mal eine lustige Erfahrung", grinst er. "Macht man nicht jeden Tag." Nicht einmal als Pyrotechniker.