Eine brandheiße Berufswahl

Feuerwehrmann – das ist für viele ein Wunschberuf. Jan aus Dortmund hat sich diesen Traum erfüllt und macht eine Ausbildung als Brandmeisteranwärter. IKK spleens erzählt er, welche Herausforderungen er dabei schon gemeistert hat.

Eine brandheiße Berufswahl

Beklemmung - das ist das Gefühl, das Jan übermannt, als er zum ersten Mal das brennende Haus betritt. Doch es gibt kein Zurück mehr. Die Hitze ist überwältigend, das Atmen ohne Atemschutz wäre fast unmöglich, während die Flammen gefährlich lodern. Und dann dieser penetrante Rauch. Jan sieht die Hand vor Augen nicht, geschweige denn seinen Partner. Muss sich jeden Schritt ertasten. Trotzdem hat er in diesem Moment nur einen einzigen Gedanken: "Die Puppe aus dem Feuer zu retten." Aber warum eine Puppe? Der 24-jährige Jan macht eine Ausbildung zum Brandmeister im Ausbildungszentrum der Feuerwehr in Dortmund, direkt an einer richtigen Wache angrenzend. Und dazu gehören eben auch Trainingseinheiten im Brandhaus. Das ist ein speziell für diesen Zweck hergerichtetes Haus, in dem die zukünftigen Feuerwehrleute den Ernstfall trainieren - und das mit echtem Feuer.

Feedback ist wichtig

Deshalb steht die Sicherheit der jungen Anwärter auch an erster Stelle. Ein Ausbilder in der Zentrale verfolgt das Geschehen über Kameras, um anschließend die einzelnen Situationen zu besprechen. Was wurde richtig und was falsch gemacht? Ein wichtiges Feedback für die jungen Männer und Frauen, damit bei einem richtigen Feuer später alles reibungslos abläuft.

Langeweile? Gibt es nicht!

Seit Oktober absolviert Jan die Ausbildung zum Brandmeister. "Es ist mein absoluter Traumjob. Denn ich wollte schon als Kind Feuerwehrmann werden und damit ist mein größter Wunsch in Erfüllung gegangen", erzählt er begeistert. Die Lehrzeit bietet viel Raum für Abwechslung. Geübt wird, wie ein auf dem Kopf liegendes Auto aufgeschnitten werden muss, um eine Person daraus zu befreien. Und tatsächlich entdeckt man auf dem Übungsgelände in alle Einzelteile zersägte Autos. Die werden von einem gegenüberliegenden Schrottplatz zur Verfügung gestellt, damit die jungen Azubis an den echten Fahrzeugen üben können. Deshalb steht der Umgang mit der Motorkettensäge und vielen weiteren Geräten auf dem Stundenplan. Langweilig wird es dabei nie.

Die Gefahr lauert überall

Worauf es in dem Job ankommt? "Teamfähigkeit ist ganz wichtig", stellt Jan fest. "Man geht nie allein ins Feuer, sondern immer mit einem Kollegen. Wir müssen uns zu 100 Prozent aufeinander verlassen können." Dabei ist es in einer Extremsituation nicht einfach, sich überhaupt zu verständigen. Deshalb muss ein Feuerwehrmann seinem Partner etwas zurufen, ihm auf die Schulter klopfen oder ihn notfalls zurückziehen, wenn er weitergehen will, obwohl es gefährlich wird. "Wir halten zusammen und konzentrieren uns aufeinander." Die Gefahr lauert schließlich überall. Ein Feuer lässt sich nicht so einfach kontrollieren. Das weiß auch Jan. "Wenn wir zum Beispiel Gasflaschen sehen, dann wissen wir genau, wie wir darauf reagieren müssen." Durch die ständigen Trainingseinheiten werden die jungen Anwärter darauf trainiert, worauf sie zu achten haben.

Jede Sekunde zählt

Um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es auf einer richtigen Feuerwache zugeht, hören auch die Auszubildenden jeden Alarm mit. Für die Männer und Frauen, die zum Einsatzort gerufen werden, geht es dann um Sekunden. Sobald der Notruf ausgelöst wird, ertönt ein Gong in jedem Raum und ein spezielles Licht leuchtet auf. Um zu ihrem Einsatzfahrzeug zu gelangen und ihre Montur überzuziehen, haben sie dann genau 90 Sekunden. Schließlich zählt bei einem echten Einsatz, bei dem es um Leben und Tod geht, jede Minute.

Es ist eine Herausforderung

Doch bis es soweit ist und Jan sich in einem echten Einsatz bewähren kann, hat er noch etwas Zeit. Insgesamt dauert die Ausbildung zum Brandmeister 18 Monate. Mit einer handwerklichen oder einer Ausbildung im Rettungsdienst in der Tasche kann sich jeder bewerben, der die Herausforderung nicht scheut. Denn der Bewerbungsprozess hat es in sich. Neben einem schriftlichen Test in Mathematik und Deutsch wird die sportliche Fitness geprüft. Dazu gehören: Liegestütze, Laufen, Handkraft, Schwimmen und noch vieles mehr. "Das ist nicht so schwer, wie es sich anhört", wehrt der Brandmeisteranwärter ab. "Jeder kann online nachlesen, was erwartet wird und sich entsprechend vorbereiten." Hat man dann im persönlichen Vorstellungsgespräch überzeugt, gilt es noch das Okay vom Arzt zu bekommen. Als Jan auch diese Hürde überwunden hatte, fiel ihm ein Stein vom Herzen. "Danach habe ich erst mal gefeiert."

Tolle Jobaussichten

In der Ausbildung hat sich der junge Brandmeisteranwärter bislang bewährt. Bald stehen jedoch die Abschlussprüfungen vor der Tür. Aber zittrige Knie hat er deswegen nicht. Die Durchfallquoten sind bei der Feuerwehr sehr gering. Jan weiß, woran es liegt. "Die meisten schaffen es, weil sie den Willen haben, durchzuhalten und diesen Job unbedingt ausüben wollen." Das weiß er aus eigener Erfahrung. "Außerdem müssen wir ständig Prüfungen absolvieren. Dafür muss man schon im Laufe der Ausbildung sehr viel tun." Dadurch bleiben alle am Ball. Und schließlich sind die Jobaussichten glänzend. "Die Stadt übernimmt alle Auszubildenden. Ich weiß zwar nicht, in welche Feuerwehrwache ich genau komme, aber auf jeden Fall in Dortmund."

Sicherheit steht an erster Stelle

Angst vor einem richtigen Einsatz, bei dem es lebensgefährlich werden könnte, hat Jan nicht. "Nach der Ausbildung weiß ich ja, was zu tun ist, um mich selbst und andere zu schützen", und fügt lächelnd hinzu: "Außerdem ist es ein unbeschreiblich gutes Gefühl Menschen zu helfen."